Erfahrungen austauschen im weiblichen Netzwerk

Erfahrungen austauschen im weiblichen Netzwerk

Der Arbeitskreis Unternehmerfrauen im Handwerk übernimmt eine wichtige Aufgabe, führt aber gegenüber den eher männerdominierten Innungen ein Nischendasein. Sylvia Schwer und Waltraud Braun berichten, warum sie im UFH-Netzwerk mitmachen.

Immer öfter ist in kleineren oder größeren Betrieben der folgende Satz Realität: „Die kaufmännische Leitung, das macht meine Frau.“ Vielleicht war das früher auch schon so, wurde aber viel seltener offen kommuniziert. Heute auf jeden Fall führt an den selbstbewussten Unternehmerfrauen kein Weg mehr vorbei. Sie haben den kaufmännischen Bereich in Eigenregie in die Hand genommen. Eine von ihnen ist Waltraud Braun, die mit ihrem Mann Heinz einen Betrieb in St. Augustin bei Bonn führt, seit über 30 Jahren. Die gelernte Friseurin und Bürokauffrau hat sich weitergebildet zum Betriebswirt im Handwerk. „Dass wir heute einen anderen Stellenwert besitzen, sehe ich etwa daran, welchen Respekt mir etwa Handel, Banken und Versicherungen inzwischen entgegenbringen.“ Frauen wie Waltraud Braun denken und handeln als Unternehmerinnen. Deshalb suchen sie auch den Austausch, um über den Tellerrand zu schauen und den Betrieb voranzubringen. Ein gutes Forum, um sich mit anderen weiblichen Führungskräften zu treffen, ist der Verband Unternehmerfrauen im Handwerk (UFH).

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Betriebliche Probleme besprechen
Mit einer Geschäftsstelle in Berlin vertreten bildet UFH die bundesweite Vertretung aller Frauen, die im Handwerk arbeiten – als selbstständige Meisterin oder als mitarbeitende Familienangehörige. Knapp 6.000 Unternehmerfrauen im Handwerk haben sich heute in 14 Landesverbänden und über 150 regionalen Arbeitskreisen erfolgreich vernetzt. Waltraud Braun ist eine von ihnen, über die Handwerkskammer ist sie auf UFH aufmerksam geworden. „Hier kann ich in lockerer Atmosphäre branchenübergreifend Probleme und Herausforderungen besprechen. Das bringt richtig was für den eigenen Betrieb.“ Für Braun wie für Kollegin Sylvia Schwer aus Varlosen bei Göttingen ist dabei eines ganz wichtig. „Wir machen hier nicht Wischi-Waschi und Kaffeekränzchen.“ Im Gegenteil wollen die Frauen sich weiterbilden, ihren Horizont erweitern, besser werden bei ihrer Arbeit, die oft sehr verschiedene Bereiche von Kundenbetreuung über Buchhaltung, Organisation und Personalführung bis zum Marketing umfasst.

Kooperationen auf den Weg bringen
Sylvia Schwer hat über ihr Engagement im Schulelternrat eine UFH-Kollegin kennengelernt und ist dann einfach mal mitgegangen zur Weihnachtsfeier und geblieben. „Meine Freundinnen im privaten Bereich sind fast alle angestellt, mit denen kann ich nicht über Probleme im Betrieb sprechen. Das ist bei UFH anders.

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„Da sind wir alle auf einer Schiene. Hier merkst Du sofort, dass andere die gleichen Probleme haben und gemeinsam nach Lösungen gesucht werden kann. Etwa wenn es Stress mit einem Mitarbeiter gibt“, erklärt Schwer. Über den Austausch hinaus entstehen auch Kooperationen. „Bei Solaranlagen arbeiten wir jetzt mit dem Elektrobetrieb im UFH-Netzwerk zusammen“, berichtet Braun. Auch das Thema Unternehmensnachfolge sei wichtig, gerade für die jüngeren Frauen, die einen Betrieb übernehmen wollen. Konkurrenz spiele in diesem Netzwerk hingegen keine Rolle, auch wenn mehrere Betriebe aus einem Gewerk vertreten seien, sagt Schwer.

Mit Fortbildung Horizont erweitern
Austausch ist die eine wichtige Säule bei UFH, die andere ist Weiterbildung. Einmal im Monat treffen sich die Frauen in den regionalen Arbeitskreisen und zumeist laden sie sich externe Referenten zu interessanten Themen ein. Da geht es um Kundenbindung am Telefon, Steuertipps, Versicherungen oder Pressearbeit. Auch allgemein Informatives ist dabei, wie eine Führung im Bonner Posttower oder eine Besichtigung des früheren Regierungsbunkers im Ahrtal. Zusätzlich gibt es noch die Seminare und Veranstaltungen der Landesverbände und des Bundesverbandes. „Wer da nicht mitmacht bei den geringen Beiträgen, die noch unter denen von Sportvereinen liegen, der hat selbst schuld“, sagt Braun. Dennoch haben viele der regionalen Arbeitskreise gerade einmal 20 Mitglieder. Was sicher auch daran liegt, dass UFH neben den männerdominierten Innungen in der öffentlichen Wahrnehmung eher ein Nischendasein führt, obwohl immer mehr Frauen Führungspositionen im Handwerk übernehmen. „Wir freuen uns über jede Frau, die zu uns kommt“, sagt Schwer. „Ich kann nur alle Interessentinnen ermutigen, verbeizuschauen und sind ein Bild zu machen. Wer einmal kommt, der bleibt meistens, weil jede von uns ganz viel von den Erfahrungen der anderen und den Weiterbildungen profitieren kann.“

 

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